Das Lebendige verwandelt

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Am vergangenen Donnerstag saß ich mit Jean Pierre zusammen und wir sprachen über Künstliche Intelligenz. Irgendwann kamen wir auf einen Unterschied, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht.

Wir Menschen sind ziemlich langsame Rechner. Wir können nur wenige Dinge gleichzeitig verfolgen, vergessen ständig etwas und erzählen eine Geschichte beim dritten Mal anders als beim ersten. Eine KI hat dagegen eine gewaltige Bandbreite. Und was sie einmal digital gespeichert hat, kann sie millionenfach kopieren. Die millionste Kopie unterscheidet sich nicht von der ersten.

Technisch gesehen ist das ein großer Fortschritt.

Vielleicht liegt genau darin aber auch ein Unterschied zwischen Maschine und Leben.

Ein ziemlich langsames Gehirn

Geoffrey Hinton, einer der Pioniere neuronaler Netze und Nobelpreisträger für Physik 2024, weist auf eine erstaunliche Größenordnung hin: Große Chatbots kommen auf ungefähr eine Billion Verbindungen, das menschliche Gehirn auf etwa hundert Billionen. Trotzdem können künstliche Netze ungeheure Mengen an Wissen aufnehmen. Für Hinton deutet das darauf hin, dass digitale Systeme Wissen sehr viel effizienter in ihren Verbindungen unterbringen können als wir.

Hinzu kommt etwas, das biologische Gehirne nicht können: Digitale Systeme lassen sich vervielfältigen. Was ein System gelernt hat, muss ein anderes nicht noch einmal während eines langen Lebens erfahren.

Wir Menschen machen das umständlicher.

Wenn ich meiner Tochter von einer Erfahrung erzähle, kopiere ich sie nicht in ihr Gehirn. Ich bewege zunächst einmal Luft. Daraus werden in ihrem Kopf Wahrnehmungen, Bilder und Gedanken. Sie verbindet meine Worte mit Erfahrungen, die ich nicht gemacht habe. Vielleicht versteht sie etwas völlig anders, als ich es gemeint habe.

Und wenn sie mir meine eigene Geschichte ein paar Jahre später erzählt, erkenne ich sie womöglich kaum wieder.

Katastrophale Datenübertragung.

Und wunderbar menschlich.

Die Natur kennt keine perfekten Kinder

Am nächsten Morgen schrieb ich Johanna:

„Guten Morgen, Johanna. Wie war die Nacht? Ich hoffe, dir geht es gut. Genieße den Tag. Mach Musik, mach Sport, geh raus, verneige dich vor der Natur – sie ist so wunderschön. Sie hat uns alle hervorgebracht – ganz analog, jede und jeden mit seinen und ihren kleinen Fehlern und Besonderheiten.“

An diesem letzten Satz blieb ich selbst hängen.

Denn Evolution lebt nicht von perfekten Kopien.

Biologisch ist die Sache komplizierter als der Gegensatz analog gegen digital. Unsere DNA trägt Information in diskreten Bausteinen und hat insofern sogar etwas erstaunlich Digitales. Doch Leben entsteht nicht durch das Kopieren einer Datei. Gene werden rekombiniert, gelegentlich verändert, in einem Organismus exprimiert und treffen auf eine Umwelt, die niemand vorher berechnet hat.

So entstehen Unterschiede.

Und ein Unterschied ist zunächst weder gut noch schlecht.

Dichtes Fell ist praktisch. Bis es heiß wird. Vorsicht kann einem Menschen Chancen nehmen. Sie kann ihm aber auch das Leben retten. Eine ungewöhnliche Empfindlichkeit kann in einer Umgebung hinderlich sein und in einer anderen zur Begabung werden.

Die Situation entscheidet mit.

Vielleicht sollte man deshalb vorsichtig sein, wenn man von menschlichen „Fehlern“ spricht. Die Evolution produziert zunächst einmal Varianten. Wir machen daraus Kategorien.

Situation und Konstellation

Seit einiger Zeit beschäftigt mich der Unterschied zwischen Situation und Konstellation.

Eine Konstellation kann ich beschreiben: Ort, Zeit, Temperatur, Alter, Geschlecht, Einkommen, Blutdruck, Schulabschluss. Ich kann Eigenschaften erfassen, Menschen Gruppen zuordnen und Wahrscheinlichkeiten berechnen.

Das Digitale liebt Konstellationen. Und die KI ist darin geradezu unverschämt gut.

Eine Situation ist etwas anderes.

Ich betrete einen Raum. Jemand schaut mich an. Draußen regnet es. Ich kenne diesen Menschen seit dreißig Jahren. Gestern haben wir gestritten. Auf dem Tisch steht eine Tasse, die mich an jemanden erinnert. Ich sage einen Satz und merke schon während des Sprechens, dass ich ihn anders hätte sagen sollen.

Das Leben hat keine Undo-Taste.

Eine Situation besteht aus weit mehr, als ich gleichzeitig wahrnehmen kann. Und während ich versuche, sie zu verstehen, verändert sie sich bereits.

Vielleicht denken wir Menschen deshalb nicht trotz unserer beschränkten Bandbreite so, wie wir denken, sondern wegen dieser Beschränkung.

Wir müssen auswählen. Wir müssen vergessen. Wir müssen ergänzen. Wir erzählen uns Geschichten. Wir rekonstruieren Erinnerungen. Wir verbinden das Neue mit dem Alten.

Wir kopieren Erfahrungen nicht.

Wir beleben sie.

Ein Umzug und ein paar schwere Kisten

In diesen Tagen bekommt dieser Gedanke für mich eine sehr praktische Seite. Ich ziehe nach Malta.

Wer umzieht, muss Entscheidungen treffen. Was nehme ich mit? Was bleibt zurück?

Computer? Natürlich.

Festplatten? Selbstverständlich.

Kabel? Leider ebenfalls.

Und dann stehen da Dinge, bei denen jeder vernünftige Mensch fragen würde, warum man sie im Jahr 2026 noch besitzen muss.

Meine alten Schallplatten zum Beispiel.

Und vor allem meine transportable Tontechnik. Meine Nagra. Meine dynamischen Mikrofone.

Ich werde sie zunächst nicht bei mir haben. Weder auf Malta noch, wenn ich wieder längere Zeit in Nepal bin. Und ich weiß jetzt schon, dass ich sie vermissen werde.

Das ist merkwürdig. Ich arbeite täglich mit einer der modernsten Technologien, die Menschen je geschaffen haben, und bekomme sentimentale Gefühle bei einer Maschine, in die man Magnetband einfädeln muss.

Vielleicht ist das aber gar kein Widerspruch.

Die Nagra weiß nichts von der Cloud

Bei einer analogen Aufnahme geschieht etwas sehr Anschauliches.

Ein Mensch singt. Luft gerät in Bewegung. Die Luft bewegt die Membran eines Mikrofons. Im dynamischen Mikrofon bewegt sich eine Spule in einem Magnetfeld. Daraus entsteht elektrische Spannung. In der Nagra wird schließlich ein Magnetband verändert.

Etwas hat stattgefunden und hinterlässt eine physische Spur.

Bei der Schallplatte ist es ähnlich. Die Musik steckt als Rille in einem Stück Materie. Eine Nadel folgt dieser Rille, beginnt sich zu bewegen, daraus wird wieder ein elektrisches Signal, der Lautsprecher bewegt Luft und schließlich bewegt sich mein Trommelfell.

Das ist technisch betrachtet reichlich umständlich.

Ich liebe es.

Und natürlich rauscht es. Das Band läuft nicht vollkommen gleichmäßig. Die Platte bekommt irgendwann einen Kratzer. Ein Mikrofon nimmt den vorbeifahrenden Lastwagen mit auf, obwohl der im Stück gar nicht vorgesehen war.

Der Ingenieur nennt das Störung.

Vierzig Jahre später höre ich vielleicht genau diesen Lastwagen und bin wieder dort.

Die Bücher, die nicht mitreisen

Bei meinen längeren Aufenthalten fern von zu Hause habe ich noch etwas anderes vermisst: meine Bücher.

Es sind viele. Sehr viele. Und sie halten sich nicht einmal ordentlich an ein Fachgebiet. Literatur steht neben Philosophie, Buddhismus neben Naturwissenschaft, Pädagogik neben Informatik, Geschichte neben Fotografie. Manche Bücher habe ich verschlungen, andere nur angelesen. In einigen stecken Zettel. In anderen habe ich Sätze angestrichen, bei denen ich heute nicht mehr weiß, warum ich sie damals so wichtig fand.

Natürlich habe ich viele Bücher auf dem Kindle dabei. Das ist großartig. Eine ganze Bibliothek wiegt dort weniger als ein Taschenbuch. Für jemanden, der zwischen Deutschland, Nepal und Malta unterwegs ist, müsste die Sache damit eigentlich entschieden sein.

Ist sie aber nicht.

Denn ich vermisse nicht nur die Texte. Ich vermisse die Bücher.

Ich vermisse, dass ich vor einem Regal stehe und mein Blick an einem Buch hängen bleibt, nach dem ich gar nicht gesucht habe. Ich ziehe es heraus, sehe den Umschlag, erinnere mich daran, wann ich es gekauft habe, finde eine alte Markierung und lese drei Seiten. Zwanzig Minuten später denke ich über etwas nach, das mit meiner ursprünglichen Absicht überhaupt nichts zu tun hatte.

Ein Suchalgorithmus würde das vermutlich für schlechte Benutzerführung halten.

Ich halte es für Leben.

Auf dem Kindle finde ich zuverlässig das Buch, das ich suche. Vor meinem Bücherregal findet mich manchmal ein Buch, das ich nicht gesucht habe.

Auch das ist der Unterschied zwischen Konstellation und Situation.

Die digitale Bibliothek besitzt meine Texte. Das Bücherregal gehört zu meiner Biografie.

Eine alte Canon

Und dann gibt es noch eine Kamera, die ich nicht hergeben möchte.

Eine analoge Canon. Sie gehörte meinem Schwager, der viel zu früh gestorben ist.

Natürlich könnte ich nüchtern prüfen, was diese Kamera heute noch wert ist. Ich könnte Objektiv, Verschlusszeiten und Zustand vergleichen und anschließend entscheiden, ob sich das Aufheben lohnt.

Damit hätte ich nur die falsche Frage sehr präzise beantwortet.

Denn diese Canon ist für mich nicht einfach eine Kamera.

Er hat sie in der Hand gehalten. Er hat durch ihren Sucher geschaut. Seine Finger haben den Auslöser gedrückt. Vielleicht hat er mit ihr Menschen angesehen, die ihm etwas bedeuteten. Orte festgehalten, an denen er gewesen ist. Augenblicke ausgewählt, die ihm bewahrenswert erschienen.

Die Kamera trägt davon keine digitale Aufzeichnung. Sie weiß nichts davon.

Ich aber weiß es.

Deshalb kann ein Gegenstand etwas bewahren, ohne überhaupt Informationen im technischen Sinn zu speichern. Seine Bedeutung entsteht aus der Beziehung zwischen ihm und dem Menschen, der ihn betrachtet.

Für einen Händler ist es eine alte Canon.

Für mich ist es auch ein Stück meines Schwagers.

Kein Backup kann das kopieren.

Eine Aufnahme altert

Eine digitale Datei soll sich nicht verändern. Das ist ihre große Stärke.

Eine analoge Aufnahme dagegen altert. Das Band altert, die Platte altert, das Gerät altert. Ein Buch bekommt Flecken und Eselsohren. Eine Kamera bekommt Kratzer.

Und ich altere ebenfalls.

Wenn ich eine alte Aufnahme heute höre, ein Buch wieder aus dem Regal ziehe oder die Canon meines Schwagers in die Hand nehme, begegnen sich deshalb zwei Zeiten: die Spur eines damaligen Ereignisses und der Mensch, der ich inzwischen geworden bin.

Vielleicht liebe ich diese Dinge deshalb nicht aus Nostalgie. Ich liebe an ihnen die Spur des Geschehenen.

Sie behaupten nicht, die Welt könne verlustfrei kopiert werden.

Sie tragen ihre Verluste mit sich herum.

So wie wir.

Und ausgerechnet ich arbeite mit KI

Das Schöne an dieser kleinen Theorie ist, dass ich sie jeden Tag widerlege.

Ich arbeite mit Künstlicher Intelligenz. Ich programmiere mit ihr, recherchiere mit ihr, diskutiere mit ihr. Ich lasse sie meine Gedanken prüfen und entdecke durch sie Zusammenhänge, auf die ich allein nicht gekommen wäre.

Ich möchte darauf nicht verzichten.

Gerade deshalb interessiert mich der Unterschied.

Die Maschine kann in Sekunden mehr Text verarbeiten, als ich in Monaten lesen könnte. Sie kann Wissen zusammenführen, vergleichen und wiedergeben. Digitale Systeme können Gelerntes in einer Weise vervielfältigen und teilen, die biologischen Gehirnen verschlossen ist.

Hinton sieht genau darin nicht nur eine Chance. Er warnt davor, dass wir Systeme entwickeln könnten, die intelligenter werden als wir und deren innere Vorgänge wir schon heute nur begrenzt verstehen. Wir haben die Lernverfahren gebaut; was große neuronale Netze daraus entwickeln, können selbst ihre Entwickler nicht mehr vollständig nachvollziehen.

Das ist eine historisch ziemlich ungewöhnliche Situation.

Bisher bauten wir Werkzeuge, um unsere begrenzten Fähigkeiten zu erweitern. Den Hammer, weil die Faust weh tut. Das Fahrrad, weil die Beine langsam sind. Den Taschenrechner, weil wir beim Dividieren großer Zahlen schlechte Laune bekommen.

Nun bauen wir erstmals Werkzeuge, die möglicherweise gerade jene Fähigkeit übertreffen werden, mit der wir bisher unsere Werkzeuge kontrolliert haben: unsere Intelligenz.

Hinton fragt deshalb, wie wir die Kontrolle behalten können.

Vielleicht ist unsere Schwäche eine Stärke

Wir reagieren auf diese Entwicklung verständlicherweise, indem wir uns mit der Maschine vergleichen.

Sie ist schneller.

Sie weiß mehr.

Sie vergisst weniger.

Sie kann sich vervielfältigen.

Wir schneiden dabei ziemlich schlecht ab.

Aber vielleicht vergleichen wir Äpfel mit Rechenzentren.

Denn ein Mensch existiert nicht als Informationsbestand. Er hat einen Körper. Er wurde geboren. Er wird älter. Er hat Angst. Er liebt bestimmte Menschen und andere gehen ihm auf die Nerven. Er steht morgens auf und ist manchmal ohne vernünftigen Grund glücklich.

Vor allem aber kann er einer Situation nicht entkommen.

Ich kann nicht gleichzeitig fünf Leben führen und anschließend das beste abspeichern. Ich muss dieses hier leben.

Meine beschränkte Bandbreite zwingt mich zur Gegenwart.

Und vielleicht beginnt genau dort Bedeutung.

Die schlechte Kopie

Wenn ich einen Gedanken von einem Menschen übernehme, bleibt er nicht derselbe.

Ich verstehe ihn aus meiner Geschichte. Ich verändere ihn. Vielleicht missverstehe ich ihn sogar. Jahre später gebe ich ihn weiter und ein anderer Mensch macht wieder etwas anderes daraus.

Biologisch geschieht etwas Verwandtes seit Milliarden Jahren.

Das Leben kopiert, aber es erzeugt dabei Unterschiede. Und diese Unterschiede treffen auf neue Situationen. Manche verschwinden. Manche werden plötzlich wichtig. Aus unzähligen Variationen sind schließlich Wesen entstanden, die Bücher sammeln, Schallplatten hören, alte Kameras nicht wegwerfen, nach Malta ziehen und morgens ihren Töchtern Nachrichten über Evolution schreiben.

Ziemlich ineffizient.

Aber immerhin hat es funktioniert.

Vielleicht sollten wir deshalb nicht versuchen, im Wettbewerb mit der KI bessere Maschinen zu werden.

Ihre Stärke ist die perfekte Kopie.

Unsere könnte die unvollkommene Verwandlung sein.

Das Digitale kopiert Information.

Das Lebendige verwandelt sie.

Und während ich meine Nagra, meine Schallplatten, viele meiner Bücher und wahrscheinlich auch die alte Canon für einige Zeit zurücklasse und mit einem MacBook nach Malta fliege, werde ich ausgerechnet eine KI brauchen, um über diesen Unterschied weiter nachzudenken.

Das gefällt mir.

Es rauscht nur ein bisschen zu wenig.


English version below


Life Transforms

Last Thursday, I was sitting with Jean Pierre, talking about artificial intelligence. At some point, we came across a distinction that has stayed with me ever since.

We humans are rather slow computers. We can only follow a few things at once, we constantly forget things, and by the third telling we tell a story differently from the first. AI, by contrast, has an enormous bandwidth. And once something has been stored digitally, it can be copied millions of times. The millionth copy is no different from the first.

Technically, that is a great achievement.

But perhaps this is also where one of the fundamental differences between machines and life begins.

A Rather Slow Brain

Geoffrey Hinton, one of the pioneers of neural networks and winner of the 2024 Nobel Prize in Physics, points to a remarkable difference in scale: large chatbots have roughly a trillion connections, while the human brain has around a hundred trillion. And yet artificial neural networks can absorb enormous amounts of knowledge. To Hinton, this suggests that digital systems can store knowledge in their connections far more efficiently than we can.

There is another difference. Digital systems can be duplicated. What one system has learned does not have to be experienced all over again by another system over the course of a lifetime.

We humans do things the hard way.

When I tell my daughter about something I have experienced, I do not copy the experience into her brain. First of all, I merely move some air. From those sound waves, perceptions, images and thoughts arise in her mind. She connects my words with experiences I have never had. She may even understand something quite differently from the way I meant it.

And if she tells me my own story a few years later, I may barely recognise it.

Terrible data transmission.

And wonderfully human.

Nature Does Not Produce Perfect Children

The next morning, I wrote to Johanna:

“Good morning, Johanna. How was the night? I hope you’re well. Enjoy the day. Make music, do some exercise, go outside, bow to nature – it is so beautiful. It brought all of us into being, quite analog, each and every one of us with our little flaws and peculiarities.”

I found myself lingering over that last sentence.

Because evolution does not depend on perfect copies.

Biologically, things are more complicated than a simple opposition between analog and digital. Our DNA carries information in discrete building blocks and in that sense has something surprisingly digital about it. But life does not emerge by copying a file. Genes are recombined, occasionally altered, expressed in an organism, and encounter an environment that nobody calculated in advance.

That is how differences arise.

And a difference is neither good nor bad in itself.

Thick fur is useful. Until it gets hot. Caution can make someone miss opportunities. It can also save their life. An unusual sensitivity may be a disadvantage in one environment and become a gift in another.

The situation helps decide.

Perhaps we should therefore be careful when we speak of human “flaws”. Evolution first produces variations.

We turn them into categories.

Situation and Constellation

For some time now, I have been thinking about the difference between situation and constellation.

I can describe a constellation: place, time, temperature, age, gender, income, blood pressure, school qualifications. I can record characteristics, assign people to groups and calculate probabilities.

The digital world loves constellations. And AI is almost indecently good at them.

A situation is something else.

I enter a room. Someone looks at me. It is raining outside. I have known this person for thirty years. Yesterday we had an argument. There is a cup on the table that reminds me of someone. I say something and, while I am still speaking, realise that I should have said it differently.

Life has no undo button.

A situation contains far more than I can perceive at any one moment. And while I am trying to understand it, it is already changing.

Perhaps we humans think the way we do not despite our limited bandwidth, but because of it.

We have to select. We have to forget. We have to fill in the gaps. We tell stories. We reconstruct memories. We connect the new with the old.

We do not copy experiences.

We bring them back to life.

Moving House, and a Few Heavy Boxes

These days, this thought has become very practical for me. I am moving to Malta.

Anyone who moves has to make decisions. What comes with me? What stays behind?

Computer? Of course.

Hard drives? Obviously.

Cables? Unfortunately, yes.

And then there are the things that would make any sensible person ask why anyone still needs to own them in 2026.

My old vinyl records, for example.

And above all, my portable audio equipment. My Nagra. My dynamic microphones.

At first, I will not have them with me. Not in Malta, nor when I spend longer periods in Nepal again. And I already know that I will miss them.

It is strange. I work every day with one of the most advanced technologies humans have ever created, yet I become sentimental about a machine that requires you to thread magnetic tape through it.

Perhaps that is not a contradiction at all.

The Nagra Knows Nothing About the Cloud

Something very tangible happens during an analog recording.

A person sings. The air begins to move. The air moves the diaphragm of a microphone. In a dynamic microphone, a coil moves within a magnetic field. This produces an electrical voltage. Eventually, inside the Nagra, magnetic tape is altered.

Something happened, and it left a physical trace.

A vinyl record works in a similar way. The music exists as a groove in a piece of matter. A needle follows that groove and begins to move. Its movement becomes an electrical signal; the loudspeaker moves air, and eventually my eardrum moves too.

Technically, this is wonderfully cumbersome.

I love it.

And of course there is noise. The tape does not run with absolute precision. The record eventually gets a scratch. A microphone picks up the lorry passing outside, although the composer clearly forgot to include it in the score.

An engineer calls that interference.

Forty years later, I may hear that very lorry and suddenly I am back there.

The Books That Do Not Travel With Me

There is something else I have missed during longer stays away from home: my books.

There are many of them. A great many. And they do not even have the decency to stick to one subject. Literature stands next to philosophy, Buddhism next to science, education next to computer science, history next to photography. Some I devoured, others I merely started. Some contain scraps of paper. In others I underlined sentences that seemed terribly important at the time, although today I can no longer remember why.

Of course I carry many books with me on my Kindle. It is wonderful. An entire library weighs less than a paperback. For someone travelling between Germany, Nepal and Malta, that really ought to settle the matter.

It does not.

Because I do not only miss the texts.

I miss the books.

I miss standing in front of a bookshelf and having my eye fall on a book I was not looking for. I pull it out, see the cover, remember when I bought it, discover an old marking and read three pages. Twenty minutes later, I am thinking about something that has absolutely nothing to do with what I originally intended to do.

A search algorithm would probably regard this as poor user experience.

I call it life.

On my Kindle, I can reliably find the book I am looking for.

In front of my bookshelves, sometimes a book I was not looking for finds me.

That, too, is the difference between constellation and situation.

My digital library contains my texts.

My bookshelves are part of my biography.

An Old Canon

And then there is a camera I do not want to give away.

An analog Canon. It belonged to my brother-in-law, who died far too young.

Of course I could take a rational approach and find out what the camera is worth today. I could compare the lens, shutter speeds and condition, and then decide whether it is worth keeping.

I would merely have answered the wrong question with great precision.

Because to me, this Canon is not simply a camera.

He held it in his hands. He looked through its viewfinder. His fingers pressed the shutter release. Perhaps he used it to look at people who mattered to him. To capture places he had visited. To select moments that seemed worth preserving.

The camera contains no digital record of any of this.

It knows nothing about it.

But I do.

An object, then, can preserve something without storing information in the technical sense at all. Its meaning arises from the relationship between the object and the person looking at it.

To a dealer, it is an old Canon.

To me, it is also a piece of my brother-in-law.

No backup can copy that.

A Recording Grows Old

A digital file is not supposed to change. That is one of its great strengths.

An analog recording, by contrast, grows old. The tape ages, the record ages, the machine ages. A book acquires stains and dog-eared pages. A camera gets scratched.

And I grow old too.

So when I listen to an old recording today, pull a book from the shelf again or hold my brother-in-law’s Canon in my hands, two different times meet: the trace of something that happened then and the person I have become since.

Perhaps I do not love these things out of nostalgia. Perhaps what I love about them is the trace of what has happened.

They do not pretend that the world can be copied without loss.

They carry their losses with them.

Just as we do.

And I, of All People, Work With AI

The nice thing about this little theory is that I contradict it every day.

I work with artificial intelligence. I use it to program, to research, to discuss ideas. I ask it to challenge my thoughts, and through it I discover connections I would not have found on my own.

I would not want to do without it.

That is precisely why the difference interests me.

A machine can process more text in seconds than I could read in months. It can combine, compare and reproduce knowledge. Digital systems can duplicate and share what they have learned in ways that biological brains cannot.

Hinton sees not only an opportunity in this. He warns that we may be developing systems that become more intelligent than we are, systems whose internal processes we already understand only to a limited degree. We built the learning methods; what large neural networks develop from them can no longer be fully traced even by their creators.

Historically, this is a rather unusual situation.

Until now, we built tools to extend our limited abilities. The hammer because hitting things with your fist hurts. The bicycle because legs are slow. The calculator because dividing large numbers tends to put us in a bad mood.

Now, for the first time, we are building tools that may surpass us in the very ability we have always relied on to control our tools: our intelligence.

Hinton therefore asks how we can remain in control.

Perhaps Our Weakness Is a Strength

Understandably, we respond to this development by comparing ourselves with the machine.

It is faster.

It knows more.

It forgets less.

It can duplicate itself.

We do not come out of the comparison particularly well.

But perhaps we are comparing apples with data centres.

A human being does not exist as a collection of information. A human has a body. Was born. Grows older. Is afraid. Loves certain people and finds others rather irritating. Gets up in the morning and is sometimes happy for no sensible reason at all.

Above all, a human being cannot escape the situation.

I cannot live five lives simultaneously and save the best one afterwards.

I have to live this one.

My limited bandwidth forces me into the present.

And perhaps that is where meaning begins.

The Imperfect Copy

When I take an idea from another person, it does not remain the same.

I understand it through my own history. I change it. I may even misunderstand it. Years later, I pass it on, and another person makes something different of it again.

Something similar has been happening biologically for billions of years.

Life copies, but in doing so it produces differences. And these differences encounter new situations. Some disappear. Some suddenly become important. From countless variations eventually emerged creatures who collect books, listen to vinyl records, refuse to throw away old cameras, move to Malta and send their daughters morning messages about evolution.

Not terribly efficient.

But apparently it worked.

Perhaps, then, we should not try to become better machines in our competition with AI.

Its strength is the perfect copy.

Ours may be imperfect transformation.

The digital copies information.

Life transforms it.

And while I leave my Nagra, my records, many of my books and probably the old Canon behind for a while and fly to Malta with a MacBook, I will, of all things, need an AI to help me continue thinking about the difference.

I rather like that.

There is just not quite enough noise.