Die Zäune in unseren Köpfen (Teil 2)

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Wie bauen wir eine Welt, in der wir einander nicht zum Leiden machen?

Je länger ich über B. R. Ambedkar (* 14. April 1891 in Mhow; † 6. Dezember 1956 in Delhi) lese, desto mehr glaube ich, dass sich sein Leben auf diese eine Frage zuspitzen lässt.

Nicht: Wie kann ich mein Leiden überwinden?

Nicht einmal: Wie kann ich glücklich werden?

Sondern: Wie müssen wir miteinander leben, damit wir nicht selbst zur Ursache des Leidens anderer werden?

Das klingt zunächst nach Indien. Nach Kasten. Nach einer anderen Kultur und einer anderen Zeit.

Das wäre beruhigend.

Denn dann könnten wir Ambedkar bewundern, sein Buch zuklappen und weiterleben wie bisher.

Aber so einfach ist es nicht.

Ein Glas Wasser

Ambedkar wurde 1891 als Mahar geboren. Damit war eine wesentliche Entscheidung über sein Leben bereits gefallen, bevor er überhaupt eine Entscheidung treffen konnte.

Er war ein „Unberührbarer“.

Als Kind durfte er in der Schule nicht neben den anderen Kindern sitzen. Wenn er Durst hatte, konnte er nicht einfach zum Wasser gehen. Jemand aus einer höheren Kaste musste ihm Wasser einschenken, weil seine Berührung das Wasser verunreinigt hätte.

Man stelle sich das Kind vor.

Nicht das Kastensystem.

Nicht den Hinduismus.

Nicht Indien im Jahr 1900.

Das Kind.

Es hat Durst.

Daneben steht Wasser.

Aber zwischen dem Kind und dem Wasser steht eine Idee.

Eine Idee in den Köpfen anderer Menschen.

Das ist vielleicht das Erschreckendste an solchen Grenzen: Irgendwann sehen wir sie nicht mehr als Ideen. Sie werden Wirklichkeit.

Ich kenne Dalits in Nepal. Ich kenne Menschen, deren Familiengeschichte, Name oder Herkunft ihnen vorausgehen kann, noch bevor jemand ihnen selbst begegnet.

Niemand muss ihnen heute erklären, dass sie „unberührbar“ seien. Oft funktioniert Ausgrenzung viel leiser.

Wer heiratet wen?

Wer betritt welche Küche?

Wer isst mit wem?

Welche Familie ist für eine Verbindung „geeignet“?

Wem traut man Bildung zu?

Wer wird respektiert – und wer soll dankbar sein?

Manchmal genügt ein Nachname.

Ein Mensch steht vor uns, und wir glauben bereits etwas über ihn zu wissen.

Bei uns gibt es keine Kasten

Natürlich nicht.

Wir leben in Deutschland.

Bei uns entscheidet nicht die Kaste darüber, aus welchem Glas jemand trinken darf.

Unsere Zäune heißen anders.

Das Kind, das morgens ohne Frühstück in die Schule kommt.

Die Familie, bei der der Lehrer schon beim Namen des älteren Bruders eine Vorstellung davon hat, was vom jüngeren zu erwarten ist.

Das Mädchen, dem niemand ein Studium zutraut.

Der Junge aus der „Problemfamilie“, der irgendwann selbst glaubt, problematisch zu sein.

Das Flüchtlingskind, dessen Deutsch schlechter ist als sein Denken.

Der Mensch, der jahrelang von Bürgergeld lebt und irgendwann in den Blicken anderer nicht mehr Arbeitslosigkeit, sondern persönliches Versagen erkennt.

Oder umgekehrt das Kind aus einem akademischen Elternhaus. Eigenes Zimmer. Bücher. Klavierunterricht. Auslandsjahr. Eltern, die wissen, welchen Lehrer man anruft, welche Universität gut ist und wie man eine Bewerbung formuliert.

Später sagt es vielleicht:

Ich habe hart für meinen Erfolg gearbeitet.

Das kann sogar stimmen.

Nur die Startlinie hat es nicht selbst gezogen.

Wir nennen das nicht Kaste. Und unsere Gesellschaft ist sehr viel durchlässiger als diejenige, gegen die Ambedkar kämpfte.

Aber auch wir besitzen eine erstaunliche Begabung dafür, Zufälle der Geburt in Eigenschaften von Menschen zu verwandeln.

Arm.

Ungebildet.

Ausländer.

Flüchtling.

Arbeiterkind.

Akademikerkind.

Behindert.

Alt.

Jung.

Gescheitert.

Erfolgreich.

Wir brauchen Begriffe, um die Welt zu verstehen.

Aber irgendwann beginnen die Begriffe, die Menschen zu verstehen, bevor wir es selbst getan haben.

Dann wird aus einer Beschreibung ein Urteil.

Aus einem Urteil eine Erwartung.

Aus der Erwartung eine Grenze.

Und aus der Grenze manchmal ein Leben.

Ambedkar versuchte zunächst, die Mauer zu übersteigen

Er tat das, was unsere Leistungsgesellschaft jedem benachteiligten Kind bis heute empfiehlt:

Streng dich an.

Und wie er sich anstrengte.

Er studierte in Bombay, an der Columbia University in New York und an der London School of Economics. Er studierte Recht, Ökonomie, Politik und Geschichte. Er promovierte mehrfach.

Ein Mann aus einer Bevölkerungsgruppe, der man teilweise nicht einmal das Trinkwasser reichen wollte, gehörte plötzlich zu den am besten ausgebildeten Menschen Indiens.

Eigentlich hätte die Geschichte hier enden können.

Der Unberührbare hatte es geschafft.

Eine wunderbare Aufstiegsgeschichte.

Nur interessierte sich die Kaste nicht für seine Doktortitel.

Als Ambedkar nach Indien zurückkehrte und im Fürstenstaat Baroda eine hohe Stellung antrat, fand er kaum eine Unterkunft.

Menschen wollten nicht mit ihm arbeiten.

Nicht mit ihm essen.

Nicht mit ihm trinken.

Er musste seine Identität verbergen, um überhaupt ein Zimmer zu bekommen.

Als sie herauskam, musste er gehen.

Eines Nachts saß dieser hochgebildete Mann unter einem Baum in einem Park.

Nicht weil er zu wenig geleistet hatte.

Sondern weil er als der Falsche geboren worden war.

Das ist der Moment, an dem die Erzählung vom persönlichen Aufstieg zerbricht.

Bildung kann einen Menschen stärken. Aber sie beseitigt nicht automatisch den Zaun im Kopf eines anderen.

Also versuchte er, die Gesellschaft zu verändern

Ambedkar wurde Anwalt, Professor, Journalist und Politiker.

Er organisierte Menschen.

Er kämpfte dafür, dass Dalits aus öffentlichen Wasserstellen trinken durften.

Dass sie Straßen benutzen konnten.

Dass sie Tempel betreten durften.

Man muss sich die Bescheidenheit dieser Forderungen vor Augen führen.

Kein Palast.

Kein Vermögen.

Keine Sonderrechte.

Wasser. Eine Straße. Eine Tür.

Und selbst das war zu viel verlangt.

Nachdem Dalits 1927 aus dem öffentlichen Chavdar-Wasserbecken in Mahad getrunken hatten, ließen Kasten-Hindus das Wasser rituell reinigen.

Wieder diese eigentümliche Macht einer Idee:

Das Wasser war dasselbe.

Nur ein bestimmter Mensch hatte es berührt.

Ambedkar begann zu verstehen, dass es nicht genügte, einzelnen Menschen Zugang zu einzelnen Brunnen zu verschaffen.

Die Vorstellung selbst musste angegriffen werden.

Er verbrannte öffentlich die Manusmriti, jenes alte hinduistische Gesetzeswerk, das die hierarchische Ordnung der Kasten religiös legitimierte.

Der Kampf verlagerte sich.

Vom Brunnen zum Gesetz.

Vom Gesetz zum Kopf.

Dann versuchte er es mit Politik

Ambedkar wollte politische Macht für diejenigen, die keine hatten.

Er forderte eine eigenständige politische Vertretung der Unberührbaren.

Damit geriet er in seinen berühmten Konflikt mit Gandhi.

Gandhi wollte die Unberührbarkeit beseitigen, aber die hinduistische Gemeinschaft zusammenhalten.

Ambedkar misstraute genau dieser Gemeinschaft.

Denn wie lange sollte der Unterdrückte darauf warten, dass der Unterdrücker einsieht, dass Unterdrückung falsch ist?

1932 eskalierte der Konflikt.

Gandhi begann einen Hungerstreik.

Der öffentliche Druck auf Ambedkar wurde gewaltig.

Er gab nach und unterzeichnete den Poona Pact.

Gandhi überlebte.

Aber etwas in Ambedkars Vertrauen starb.

Er hatte versucht zu verhandeln.

Er hatte argumentiert.

Er hatte Kompromisse geschlossen.

Und immer wieder war er an derselben Mauer angekommen.

Dann versuchte er es mit dem Gesetz

Und diesmal bekam er eine Macht, von der das Kind, das nicht einmal selbst Wasser trinken durfte, kaum hätte träumen können.

Ambedkar wurde einer der wichtigsten Architekten der indischen Verfassung.

1950 trat eine Verfassung in Kraft, die Gleichheit garantierte und Unberührbarkeit ausdrücklich verbot.

Man könnte sagen:

Ambedkar schrieb den Durchgang durch den Zaun ins Gesetz.

Das war gewaltig.

Und es war nicht genug.

Denn ein Parlament kann beschließen, dass Menschen gleich sind.

Es kann aber nicht beschließen, dass ich morgen meine Tochter gerne einen Dalit heiraten lasse.

Ein Gesetz kann einem Menschen erlauben, meine Küche zu betreten.

Es kann mich nicht zwingen, mich mit ihm an einen Tisch zu setzen.

Eine Verfassung kann Diskriminierung verbieten.

Sie kann nicht verhindern, dass ich beim Namen eines Menschen denke:

Ach, einer von denen.

Gesetze sind unverzichtbar.

Aber Zäune stehen nicht nur auf Grundstücken und in Gesetzbüchern.

Die haltbarsten stehen in unseren Köpfen.

Ambedkar versuchte sogar, den Hinduismus zu reformieren

Als Justizminister wollte er Ehe-, Eigentums- und Erbrecht verändern.

Frauen sollten mehr Rechte erhalten. Überkommene patriarchale und kastenbezogene Strukturen sollten einer modernen demokratischen Gesellschaft weichen.

Sein Hindu Code Bill scheiterte am Widerstand.

Wieder die Mauer.

Ambedkar trat als Minister zurück.

Das finde ich an seiner Geschichte vielleicht am beeindruckendsten:

Er scheiterte nicht einmal.

Er scheiterte immer wieder.

Und nach jedem Scheitern stellte er nicht nur dieselbe Forderung lauter.

Er stellte die Frage tiefer.

Wenn Bildung nicht genügt – was dann?

Wenn politische Repräsentation nicht genügt?

Wenn Protest nicht genügt?

Wenn Gesetze nicht genügen?

Wenn selbst eine demokratische Verfassung nicht genügt?

Wo sitzt dieser verdammte Zaun eigentlich?

Seine Antwort wurde immer radikaler:

In unserer Kultur. In unseren Geschichten. In unserer Religion. In unseren Vorstellungen davon, was ein Mensch ist.

Und damit kam er zum Buddha

Ambedkar prüfte andere Religionen.

Christentum. Islam. Sikhismus.

Schließlich entschied er sich für den Buddhismus.

Aber auch dort nahm er nicht einfach Platz und sagte: Nun habe ich die Wahrheit gefunden.

Er tat etwas, das mir außerordentlich sympathisch ist:

Er widersprach.

Sogar dem Buddhismus.

Vor allem störte ihn eine Vorstellung, die auch mich immer wieder stört, wenn Karma zu einfach erklärt wird.

Du leidest heute?

Vielleicht ist es eine Folge früherer Handlungen.

Vielleicht sogar aus einem früheren Leben.

Das kann als philosophische Vorstellung differenzierter gemeint sein. Aber in den Händen einer Gesellschaft kann daraus etwas Grausames werden:

Dein Leiden bekommt einen Grund in dir selbst.

Der Arme ist arm, weil …

Der Kranke ist krank, weil …

Der Dalit wurde als Dalit geboren, weil …

Irgendetwas wird sich schon finden.

Und plötzlich muss sich nicht mehr die Gesellschaft rechtfertigen.

Der Leidende muss sein Leiden erklären.

Genau das wollte Ambedkar nicht akzeptieren.

Er nahm einen der zentralen buddhistischen Begriffe, dukkha, das Leiden, und las ihn gesellschaftlich.

Was, wenn Leiden nicht nur daraus entsteht, wie mein Geist auf die Welt reagiert?

Was, wenn Leiden daraus entsteht, wie wir unsere Welt eingerichtet haben?

Was, wenn ein Mensch nicht deshalb leidet, weil er an seinem Ich festhält, sondern weil andere ihn nicht aus ihrer Vorstellung von seiner Identität entlassen?

Dann genügt Meditation nicht.

Dann muss der Brunnen geöffnet werden.

Dann muss das Gesetz geändert werden.

Dann muss die Schule anders handeln.

Dann muss eine Familie ihre Vorstellungen überprüfen.

Dann muss vielleicht sogar eine Religion verändert werden.

Hier korrigiert Ambedkar auch mich

Ich liebe es, Begriffe auseinanderzunehmen.

Was bedeutet Nation?

Was bedeutet Religion?

Was bedeutet Familie?

Was bedeutet „meine Frau“?

Was bedeutet überhaupt dieses „Ich“, das so selbstverständlich von sich behauptet, es sei dasselbe wie gestern?

Das kann befreiend sein.

Ein Zaun, von dem ich erkenne, dass Menschen ihn gebaut haben, verliert etwas von seiner Selbstverständlichkeit.

Aber Ambedkar zeigt mir die Grenze dieses Denkens.

Es reicht nicht zu erkennen, dass der Zaun nicht natürlich ist.

Auf der anderen Seite steht vielleicht jemand, der trotzdem nicht herüberkommt.

Während ich darüber nachdenke, ob „Dalit“ nur eine gesellschaftliche Kategorie ist, lebt ein Mensch mit den Folgen dieser Kategorie.

Während wir in Deutschland über „soziale Herkunft“ diskutieren, sitzt irgendwo ein Kind und hat längst verstanden, dass die anderen Kinder nicht zu ihm nach Hause kommen.

Während wir über Integration sprechen, lernt ein Jugendlicher, dass sein Name bei der Wohnungssuche einen Unterschied macht.

Während wir über Chancengleichheit reden, muss eine Mutter ihrem Kind erklären, warum für die Klassenfahrt kein Geld da ist.

Und während wir philosophisch feststellen, dass kein Mensch einem anderen gehört, entscheiden Familien irgendwo darüber, wen ihre Tochter lieben darf.

Der Zaun mag im Kopf stehen.Die Wunde ist trotzdem wirklich.

Vielleicht beginnt hier Verantwortung

Ambedkar brauchte fast ein ganzes Leben, um vom Glas Wasser zum Buddhismus zu gelangen.

Dabei entfernte er sich nicht von seinem ursprünglichen Problem.

Er kam ihm immer näher.

Das Problem war nie das Wasser.

Es war die Vorstellung vom Menschen, die darüber entschied, wer es berühren durfte.

Deshalb genügte ihm am Ende auch persönliche Befreiung nicht.

Erleuchtung konnte für ihn nicht bedeuten, dass ein einzelner Mensch dem Leiden entkommt.

Eine Gesellschaft musste erleuchtet werden.

Freiheit.

Gleichheit.

Brüderlichkeit.

Mitgefühl.

Gerechtigkeit.

Große Wörter.

Aber vielleicht beginnen sie ganz klein.

Mit einem Glas Wasser.

Mit einem freien Stuhl am Tisch.

Mit einem Lehrer, der ein Kind ansieht, bevor er seine Akte liest.

Mit Eltern, die ihre Tochter fragen, wen sie liebt, statt wen sie lieben darf.

Mit einem Arbeitgeber, der hinter einem fremden Namen einen Menschen vermutet.

Mit einem wohlhabenden Menschen, der seinen Erfolg genießen kann, ohne daraus seine Überlegenheit abzuleiten.

Mit mir.

Mit dir.

Mit dem kurzen Augenblick, in dem wir bemerken:

Da steht gerade ein Zaun in meinem Kopf.

Und dann kommt der schwierigere Teil.

Ihn nicht nur interessant zu finden.

Ihn abzubauen.

In unseren Köpfen.

In unseren Familien.

In unseren Schulen.

In unseren Religionen.

In unseren Gesetzen.

In unseren Gesellschaften.

Denn vielleicht ist die wichtigste Frage des Buddhismus gar nicht nur:

Wie kann ich mich vom Leiden befreien?

Vielleicht müssen wir Ambedkars Frage danebenstellen:

Wie bauen wir eine Welt, in der wir einander nicht zum Leiden machen?

Darauf habe ich keine fertige Antwort.

Aber ich glaube inzwischen, einen Anfang zu kennen.

Man darf einen Menschen nicht wegen seiner Geburt erniedrigen.

Nicht wegen seiner gesellschaftlichen Rolle auf seinen Nutzen reduzieren.

Nicht zum Eigentum eines anderen erklären.

Nicht seiner Freiheit berauben.

Nicht verlangen, dass er erst etwas leisten muss, bevor seine Würde anerkannt wird.

Und wenn wir einen Zaun entdecken, an dem Menschen deshalb immer wieder scheitern, genügt es nicht, zu erklären, dass dieser Zaun nur eine menschliche Konstruktion ist.

Dann müssen wir anfangen, ihn abzubauen.


English version below


The Fences in Our Minds (Part 2)

How do we build a world in which we do not cause one another to suffer?

The more I read about B. R. Ambedkar (* 14 April 1891 in Mhow; † 6 December 1956 in Delhi), the more I feel that his life can be distilled into this one question.

Not: How can I overcome my suffering?

Not even: How can I become happy?

But: How must we live together so that we do not become the cause of other people’s suffering?

At first, this sounds like a story about India. About caste. About another culture and another time.

That would be comforting.

We could admire Ambedkar, close the book, and carry on as before.

But it is not that simple.

A Glass of Water

Ambedkar was born in 1891 into the Mahar community. With that, a fundamental decision about his life had already been made before he was old enough to make a single decision of his own.

He was considered an “Untouchable.”

As a child, he was not allowed to sit beside the other children at school. When he was thirsty, he could not simply go and get water. Someone from a higher caste had to pour it for him because his touch was believed to pollute the water.

Imagine the child.

Not the caste system.

Not Hinduism.

Not India in 1900.

The child.

He is thirsty.

There is water nearby.

But between the child and the water stands an idea.

An idea in other people’s minds.

Perhaps that is the most frightening thing about such boundaries: at some point, we stop seeing them as ideas.

They become reality.

I know Dalits in Nepal. I know people whose family history, name or background can arrive before they do, shaping how others see them before they have even met.

Today, nobody may need to tell them openly that they are “untouchable.” Exclusion often works more quietly.

Who marries whom?

Who is welcome in whose kitchen?

Who eats with whom?

Which family is considered “suitable” for marriage?

Who is thought capable of higher education?

Who receives respect — and who is expected to be grateful?

Sometimes a surname is enough.

A person stands before us, and we already believe we know something about them.

We Don’t Have Castes Here

Of course not.

We live in Germany.

Caste does not determine which glass a person is allowed to drink from.

Our fences have different names.

The child who arrives at school in the morning without breakfast.

The family where a teacher hears the younger brother’s surname and already remembers what the older brother was like.

The girl whom nobody expects to go to university.

The boy from the “problem family” who eventually begins to believe that he himself is the problem.

The refugee child whose German is less sophisticated than their thinking.

The person who has been unemployed for years and eventually begins to see, in other people’s eyes, not unemployment but personal failure.

Or, at the other end, the child from an academic family. A room of their own. Books. Music lessons. A year abroad. Parents who know which teacher to call, which university has a good reputation and how to write an application.

Years later, that child may say:

I worked hard for my success.

That may even be true.

But they did not draw the starting line.

We do not call this caste. And our society is far more permeable than the society Ambedkar fought against.

But we, too, have a remarkable talent for turning the accidents of birth into characteristics of people.

Poor.

Uneducated.

Foreigner.

Refugee.

Working-class.

Middle-class.

Disabled.

Old.

Young.

Failure.

Success.

We need categories to understand the world.

But at some point, the categories begin to understand people before we do.

A description becomes a judgement.

A judgement becomes an expectation.

An expectation becomes a boundary.

And sometimes that boundary becomes a life.

Ambedkar First Tried to Climb Over the Wall

He did what our meritocratic societies still advise every disadvantaged child to do:

Work hard.

And he did.

He studied in Bombay, at Columbia University in New York, and at the London School of Economics. He studied law, economics, politics and history. He earned multiple advanced degrees.

A man from a community whose members could be denied even drinking water became one of the most highly educated people in India.

The story could have ended there.

The Untouchable had made it.

A wonderful story of social mobility.

Except caste was not impressed by his degrees.

When Ambedkar returned to India and took up a senior position in the princely state of Baroda, he struggled to find somewhere to live.

People did not want to work with him.

They did not want to eat with him.

They did not want to drink with him.

He had to hide his identity simply to rent a room.

When his identity was discovered, he had to leave.

One night, this highly educated man found himself sitting under a tree in a public park.

Not because he had failed to achieve enough.

But because he had been born as the wrong person.

That is where the comforting story of individual advancement falls apart.

Education can empower a person. But it does not automatically remove the fence in somebody else’s mind.

So He Tried to Change Society

Ambedkar became a lawyer, professor, journalist and politician.

He organised people.

He fought for Dalits to be allowed to drink from public water sources.

To use public roads.

To enter temples.

Consider how modest those demands were.

No palace.

No wealth.

No special privileges.

Water. A road. A door.

And even that was too much.

After Dalits drank from the public Chavdar Tank at Mahad in 1927, caste Hindus had the water ritually purified.

Again, the strange power of an idea:

The water was the same.

Only a particular kind of person had touched it.

Ambedkar began to understand that it was not enough to give particular people access to particular wells.

The idea itself had to be challenged.

He publicly burned the Manusmriti, the ancient Hindu legal text that gave religious legitimacy to the hierarchical order of caste.

The struggle shifted.

From the well to the law.

From the law to the mind.

Then He Tried Politics

Ambedkar wanted political power for those who had none.

He demanded independent political representation for the Untouchables.

This brought him into his famous conflict with Gandhi.

Gandhi wanted to abolish untouchability while preserving the unity of the Hindu community.

Ambedkar distrusted that very community.

For how long should the oppressed have to wait for the oppressor to understand that oppression is wrong?

In 1932, the conflict came to a head.

Gandhi began a fast unto death.

The public pressure on Ambedkar became enormous.

He gave way and signed the Poona Pact.

Gandhi survived.

But something in Ambedkar’s trust died.

He had negotiated.

He had argued.

He had compromised.

And again and again, he had reached the same wall.

Then He Tried the Law

This time, he gained a kind of power that the child who once could not even pour himself a glass of water could hardly have imagined.

Ambedkar became one of the principal architects of the Constitution of India.

In 1950, a constitution came into force that guaranteed equality and explicitly abolished untouchability.

You might say:

Ambedkar wrote a passage through the fence into law.

It was an extraordinary achievement.

And it was not enough.

A parliament can declare that people are equal.

But it cannot make me happy for my daughter to marry a Dalit.

A law can allow someone into my kitchen.

It cannot force me to sit down and share a meal with them.

A constitution can prohibit discrimination.

It cannot stop the thought that flashes through my mind when I hear someone’s name:

Oh. One of them.

Laws are indispensable.

But fences do not exist only around property or inside law books.

The most durable ones stand in our minds.

Ambedkar Even Tried to Reform Hinduism

As India’s Law Minister, he sought to reform marriage, property and inheritance law.

Women were to gain greater rights. Traditional patriarchal and caste-based structures were to give way to the principles of a modern democratic society.

His Hindu Code Bill failed in the face of fierce resistance.

The wall again.

Ambedkar resigned as Law Minister.

This may be what impresses me most about his story:

He did not fail once.

He failed again and again.

And after every failure, he did not simply repeat the same demand more loudly.

He asked the question at a deeper level.

If education is not enough — what then?

If political representation is not enough?

If protest is not enough?

If laws are not enough?

If even a democratic constitution is not enough?

Where, exactly, is this damned fence?

His answer became increasingly radical:

In our culture. In our stories. In our religions. In our ideas about what a human being is.

And That Brought Him to the Buddha

Ambedkar considered other religions.

Christianity. Islam. Sikhism.

Eventually, he chose Buddhism.

But even there, he did not simply sit down and say: Now I have found the truth.

He did something I find deeply appealing:

He disagreed.

Even with Buddhism.

He was particularly troubled by an idea that also troubles me whenever karma is explained too casually.

You are suffering today?

Perhaps it is the consequence of earlier actions.

Perhaps even actions in a previous life.

As a philosophical idea, karma can be understood in far more subtle ways. But in the hands of a society, it can become something cruel:

The explanation for your suffering is placed inside you.

The poor person is poor because …

The sick person is sick because …

The Dalit was born a Dalit because …

Some explanation will always be found.

And suddenly society no longer has to justify itself.

The person who suffers has to explain their suffering.

Ambedkar refused to accept that.

He took one of the central Buddhist concepts, dukkha — suffering — and read it socially.

What if suffering does not arise only from the way my mind responds to the world?

What if suffering also arises from the way we have built our world?

What if a person suffers not because they cling to an idea of self, but because other people refuse to release them from an identity imposed upon them?

Then meditation is not enough.

The well must be opened.

The law must be changed.

The school must act differently.

A family must question its assumptions.

Perhaps even a religion must change.

This Is Where Ambedkar Corrects Me, Too

I love taking concepts apart.

What does nation mean?

What does religion mean?

What does family mean?

What does “my wife” mean?

What does this “I” even mean — this self that so confidently claims to be the same person it was yesterday?

That kind of questioning can be liberating.

Once I realise that a fence was built by human beings, it loses some of its apparent inevitability.

But Ambedkar shows me the limit of that kind of thinking.

It is not enough to realise that the fence is not natural.

There may still be someone on the other side who cannot cross it.

While I reflect on whether “Dalit” is merely a social category, a human being lives with the consequences of that category.

While we in Germany discuss “social background,” somewhere a child has already understood that the other children do not come to their home.

While we debate integration, a young person learns that their name makes a difference when applying for an apartment.

While we talk about equal opportunity, a mother has to explain to her child why there is no money for the school trip.

And while we philosophically agree that no human being belongs to another, families somewhere are deciding whom their daughter is allowed to love.

The fence may stand in the mind.The wound is still real.

Perhaps Responsibility Begins Here

It took Ambedkar almost a lifetime to travel from a glass of water to Buddhism.

Yet he was not moving away from his original problem.

He was moving closer to its source.

The problem had never been the water.

It was the idea of the human being that determined who was allowed to touch it.

That is why, in the end, personal liberation was not enough for him.

Enlightenment could not mean that one individual escaped suffering.

Society itself had to become enlightened.

Liberty.

Equality.

Fraternity.

Compassion.

Justice.

Big words.

But perhaps they begin with very small things.

With a glass of water.

With an empty chair at the table.

With a teacher who sees a child before reading their file.

With parents who ask their daughter whom she loves, rather than whom she is allowed to love.

With an employer who sees a human being behind an unfamiliar name.

With a privileged person who can enjoy their success without turning it into evidence of their superiority.

With me.

With you.

With that brief moment when we notice:

There is a fence in my mind.

And then comes the harder part.

Not merely finding it interesting.

Taking it down.

In our minds.

In our families.

In our schools.

In our religions.

In our laws.

In our societies.

Because perhaps the most important question in Buddhism is not only:

How can I free myself from suffering?

Perhaps we need to place Ambedkar’s question beside it:

How do we build a world in which we do not cause one another to suffer?

I do not have a finished answer.

But I think I know where to begin.

We must not humiliate a human being because of the circumstances of their birth.

We must not reduce them to their usefulness because of the role society has assigned them.

We must not treat them as another person’s property.

We must not deprive them of their freedom.

We must not demand that they first prove their worth before we recognise their dignity.

And when we discover a fence against which people keep hurting themselves, it is not enough to explain that the fence is merely a human construction.

We have to start taking it down.