Nach Wallraff: Nicht verteidigen – verbessern

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Missstände benennen. Einzelfälle nicht zum System erklären. Und endlich genauer prüfen, was an Waldorfschulen gelingt und was nicht. Die RTL-Recherche sollte für die Waldorfbewegung kein Anlass zur Wagenburg sein. Sie könnte ein Anlass sein, besser zu werden.

Die RTL-Recherche über Waldorfschulen zeigt Dinge, die niemand verteidigen sollte.

Kinder dürfen nicht unbeaufsichtigt bleiben. Wer Mathematik unterrichtet, muss Mathematik können. Wer eine Klasse führt, trägt Verantwortung für ihre Sicherheit. Und wenn eine Schule Mängel nachträglich pädagogisch verklärt, macht sie die Sache schlimmer.

Eine schlechte Waldorfschule ist eine schlechte Schule.

Punkt.

Aber daraus folgt nicht: Waldorfschulen sind schlechte Schulen.

Genau diesen Sprung macht der FOCUS-Beitrag über die Sendung „#wallraffen“.

Von einigen Schulen zu 258 Schulen

FOCUS berichtet über eine Undercover-Recherche an Waldorfschulen in Sachsen und Rheinland-Pfalz. Wie viele Schulen das Team untersuchte, nach welchen Kriterien es sie auswählte und wie lange die Beobachtungen dauerten, erfahren wir im Artikel nicht.

Trotzdem folgt ein Urteil über eine ganze Schulform.

Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen seien an Waldorfschulen „eher Glückssache als Schulalltag“. Am Ende steht sogar die Frage, ob Waldorfschulen weiterhin staatlich anerkannte Ersatzschulen sein sollten. (FOCUS online)

Das ist ein gewaltiger Sprung.

Deutschland hat im Januar 2026 258 Waldorfschulen mit rund 90.000 Schülerinnen und Schülern. (Waldorfschule)

Eine investigative Reportage kann zeigen:

Hier geschieht etwas.

Sie kann nicht ohne Weiteres zeigen:

So ist Waldorf.

Dafür müsste man Schulen systematisch auswählen, genügend von ihnen untersuchen und sie mit vergleichbaren staatlichen Schulen messen.

Genau das leistet eine Undercover-Reportage nicht. Sie soll es auch nicht leisten.

Sie deckt Missstände auf.

Bildungsforschung beantwortet eine andere Frage: Wie typisch sind sie?

Diesen Unterschied sollten wir nicht verwischen.

„Schule ohne Mathe?“ – wirklich?

Waldorfschulen unterrichten Mathematik.

Mehr noch: Ihre Schülerinnen und Schüler legen staatliche Abschlüsse ab – nach den Vorgaben der Länder, nicht nach Steiner.

Bei zentralen Prüfungen schreiben sie dieselben Aufgaben wie Schülerinnen und Schüler staatlicher Schulen. Das Abitur wird in fast allen Bundesländern extern abgenommen. Schriftliche Arbeiten korrigieren je nach Verfahren Waldorflehrkräfte und Lehrkräfte staatlicher Schulen. Die Abschlüsse haben dieselbe Gültigkeit. (Waldorfschule)

Damit ist die Schlagzeile „Schule ohne Mathe?“ schnell erledigt.

Die wichtigere Frage bleibt:

Wie gut ist der Mathematikunterricht?

Darüber sollten Waldorfschulen reden.

Und darüber, wo Kinder Lernlücken entwickeln, wie häufig sie zusätzliche Hilfe brauchen und ob ihre Lehrkräfte fachlich ausreichend vorbereitet sind.

Hier trifft die Kritik einen wunden Punkt

FOCUS nennt eine bemerkenswerte Zahl: Nach Angaben des Bildungsministeriums Rheinland-Pfalz besitzt dort etwa ein Drittel der Waldorflehrkräfte keinen Hochschulabschluss, sondern eine waldorfspezifische Ausbildung. Die Reportage zeigt zudem Ausbildungssituationen, bei denen Zweifel an der fachlichen Vorbereitung berechtigt erscheinen. (FOCUS online)

Darauf sollte Waldorf nicht mit Empörung reagieren.

Quereinsteiger können Schulen bereichern. Eine Biologin, ein Ingenieur, eine Musikerin oder ein Handwerker bringen andere Erfahrungen mit als Menschen, die unmittelbar nach dem Abitur Lehramt studiert haben.

Aber Quereinstieg darf kein Weg um Qualifikation herum sein.

Wer Mathematik unterrichtet, braucht Mathematik.

Wer Schreiben lehrt, braucht Sprachdidaktik.

Wer Kinder führt, braucht pädagogisches Handwerk.

Dafür ließen sich klare Mindeststandards formulieren: fachliche Qualifikation, eine solide pädagogisch-didaktische Ausbildung, begleitete Unterrichtspraxis, Mentoring und regelmäßige Fortbildung.

Nicht die Biografie einer Lehrkraft sollte entscheiden.

Ihr Können sollte es.

Die 38 Prozent dürfen nicht verschwinden

Auch eine andere Zahl gehört auf den Tisch.

In der großen Studie von Heiner Barz und Dirk Randoll über ehemalige Waldorfschüler gaben 38 Prozent an, während ihrer Schulzeit private Nachhilfe erhalten zu haben.

Randoll kommentierte damals selbst, das sei „nicht gerade eine Ruhmesleistung“ für eine Schulform, die individuelle Förderung beansprucht. Er forderte bessere Lehrerqualifikation und Veränderungen insbesondere in Fremdsprachen und Naturwissenschaften. (Bildungsforschung Düsseldorf)

Das sollte man nicht relativieren.

Aber man sollte die Zahl korrekt einordnen: Die Studie erschien 2007. Sie beschreibt ehemalige Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgänge und ist kein Messwert für die Waldorfschulen des Jahres 2026. (Springer Nature Link)

Gerade deshalb wäre eine neue Untersuchung sinnvoll.

Wie viele Waldorfschüler brauchen heute Nachhilfe?

In welchen Fächern?

In welchen Jahrgangsstufen?

Und wie unterscheiden sie sich von Schülerinnen und Schülern vergleichbarer staatlicher Schulen?

Das wäre Erkenntnis.

Die alte Zahl immer wieder anzuführen, ohne neue zu erheben, ist es nicht.

Auch der Epochenunterricht gehört auf den Prüfstand

Waldorfschulen bündeln viele Fächer über mehrere Wochen im sogenannten Epochenunterricht.

Das kann Konzentration ermöglichen. Kinder tauchen tief in ein Thema ein, statt nach 45 Minuten zur nächsten Welt zu wechseln.

Doch die Lernforschung zeigt zugleich einen robusten Befund: Menschen behalten Wissen besser, wenn sie es über längere Zeit verteilt wiederholen und aktiv abrufen. Auch das Mischen verschiedener Aufgabentypen kann Lernen verbessern. (DOI)

Daraus folgt nicht: Epochenunterricht funktioniert nicht.

Es folgt etwas Interessanteres:

Epochenunterricht braucht Wiederholung.

Nach einer Mathematikepoche darf Mathematik nicht wochenlang verschwinden. Schulen könnten kurze Übungsphasen zwischen den Epochen einbauen, Lernstände prüfen und Kindern gezielt helfen, bevor kleine Lücken groß werden.

Damit würde Waldorf nicht seine Pädagogik aufgeben.

Es würde sie mit dem verbinden, was wir heute über Lernen wissen.

Rudolf Steiner muss nicht recht behalten

Hier liegt vielleicht die wichtigste Aufgabe.

Rudolf Steiner starb 1925.

Seitdem haben Psychologie, Medizin, Neurowissenschaften und Didaktik ungeheuer viel gelernt.

Eine Pädagogik des Jahres 2026 kann deshalb nicht fragen:

Was hat Steiner gesagt?

Sie muss fragen:

Was hilft Kindern?

Das ist kein Angriff auf Steiner.

Es ist wissenschaftliche Redlichkeit.

Was sich bewährt, bleibt.

Was sich verbessern lässt, ändern wir.

Was Kindern schadet oder Lernen behindert, geben wir auf.

Tradition ist kein Beweis für Wahrheit.

Ihr Alter ist aber auch kein Beweis für Irrtum.

Man prüft.

Dabei sollte Waldorf nicht vergessen, was Schule noch ist

Die Diskussion darf allerdings nicht in die andere Richtung kippen.

Schule besteht nicht nur aus Mathematik-, Deutsch- und Englischleistungen.

Kinder sollen rechnen und schreiben können. Ohne Wenn und Aber.

Aber sie sollen auch beobachten, gestalten, zuhören, sprechen, bauen, musizieren, experimentieren, mit anderen arbeiten, scheitern und neu anfangen.

Waldorfschulen nehmen diese Seite der Bildung ungewöhnlich ernst.

Zu ihrem Schulalltag gehören Kunst, Musik, Handwerk, Theater und umfangreiche Jahresarbeiten. Beim Waldorfabschluss zeigen Schülerinnen und Schüler nicht nur kognitive Leistungen, sondern beispielsweise in einer Jahresarbeit, einem Theaterprojekt oder künstlerischen Arbeiten, was sie selbstständig schaffen können. (Waldorfschule)

Man muss Eurythmie nicht mögen, um darin einen wichtigen Gedanken zu erkennen:

Ein Kind ist mehr als die Summe seiner messbaren Leistungen.

KI macht diesen Gedanken aktueller

Maschinen schreiben heute Aufsätze, übersetzen Texte, programmieren und lösen mathematische Aufgaben.

Das macht Mathematik und Sprache nicht überflüssig. Im Gegenteil: Wer eine KI benutzt, muss beurteilen können, ob ihre Antwort stimmt.

Aber Schule muss mehr leisten als Wissenswiedergabe.

Sie muss jungen Menschen helfen, Fragen zu stellen, Quellen zu prüfen, Zusammenhänge zu erkennen, eigene Urteile zu bilden und Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen.

Hier könnten Waldorfschulen ihre traditionellen Stärken mit neuen Formen verbinden.

Eine Klasse entwickelt mit einem örtlichen Betrieb ein reales Projekt.

Schüler dokumentieren ihre Quellen und den Einsatz von KI.

Andere prüfen ihre Ergebnisse.

Am Ende müssen sie erklären, was die Maschine beigetragen hat – und wofür sie selbst Verantwortung übernehmen.

Das wäre weder Steiner-Schule noch KI-Schule.

Es wäre Schule im Jahr 2026.

Nicht glauben. Messen.

Die Waldorfbewegung könnte aus der RTL-Recherche eine einfache Konsequenz ziehen:

Öffnet die Schulen.

Nicht für eine PR-Kampagne.

Für unabhängige Forschung.

Eine repräsentative Auswahl von Waldorfschulen könnte regelmäßig untersuchen lassen:

fachliche Lernfortschritte in Mathematik und Deutsch,

Nachhilfebedarf,

Wohlbefinden und Schulangst,

Schulwechsel und Abbrüche,

Abschlüsse,

Qualifikation der Lehrkräfte,

Erfahrungen von Schülerinnen, Schülern und Eltern.

Dazu gehören Unterrichtsbeobachtungen und Gespräche, nicht nur Tests.

Und die Ergebnisse sollten veröffentlicht werden – auch die unangenehmen.

Dann müsste niemand mehr darüber spekulieren, ob eine Fernsehszene typisch ist.

Wir wüssten es.

Und wer handelt, wenn etwas schiefläuft?

Selbstverwaltung gehört zur Waldorftradition.

Sie hat Vorzüge. Menschen übernehmen Verantwortung, statt Entscheidungen nur nach oben zu delegieren.

Aber Selbstverwaltung darf Verantwortung nicht unsichtbar machen.

Eine Schule braucht klare Antworten:

Wer beobachtet die Unterrichtsqualität?

Wer reagiert auf Beschwerden?

Wer entscheidet, dass eine Lehrkraft Unterstützung braucht?

Wer handelt bei Gefährdungen?

Bis wann?

Und wer prüft, ob tatsächlich etwas geschieht?

Das sind keine bürokratischen Fragen.

Es sind Fragen der Verantwortung.

Eine Schule kann kollegial geführt werden und trotzdem Zuständigkeiten benennen.

Sie sollte es sogar.

Die stärkste Antwort auf Wallraff

Die Waldorfbewegung muss nach dieser Sendung nicht erklären, dass bei ihr alles in Ordnung sei.

Das glaubt ohnehin niemand.

Bei 258 Schulen wird es hervorragende, durchschnittliche und schlechte geben. Alles andere wäre erstaunlich.

Die bessere Antwort wäre:

Wo die Reportage Missstände zeigt, nehmen wir sie ernst.

Wo sie aus Einzelfällen eine ganze Schulform macht, widersprechen wir.

Und wo wir nicht wissen, wie verbreitet ein Problem ist, finden wir es heraus.

Daraus könnte ein konkretes Programm entstehen:

Lehrkräfte fachlich besser qualifizieren.

Lernstände regelmäßig erfassen.

Epochenunterricht durch verteiltes Üben ergänzen.

Beschwerden transparent bearbeiten.

Unabhängige Forscher in die Schulen lassen.

Ergebnisse veröffentlichen.

Und prüfen, welche hundert Jahre alten Traditionen Kindern heute noch dienen.

Das wäre mehr als Krisenkommunikation.

Es wäre Pädagogik.

Denn eine Schule verlangt von Kindern jeden Tag etwas sehr Einfaches und sehr Schweres:

Fehler erkennen.

Aus ihnen lernen.

Es beim nächsten Mal besser machen.

Warum sollte für die Schule selbst etwas anderes gelten?


English version below


After the Wallraff Investigation: Don’t Defend Waldorf — Improve It

Acknowledge what went wrong. Don’t turn individual cases into a verdict on an entire school system. And start examining more rigorously what works in Waldorf education and what does not. The RTL investigation should not make the Waldorf movement retreat behind its walls. It could become an opportunity to improve.

RTL’s investigation into Waldorf schools revealed things that no one should try to defend.

Children must not be left unsupervised. Anyone teaching mathematics must understand mathematics. Anyone responsible for a class is responsible for the children’s safety. And when a school tries to dress up obvious failures in educational language, it only makes matters worse.

A bad Waldorf school is a bad school.

Full stop.

But that does not mean Waldorf schools are bad schools.

That is precisely the leap made in the FOCUS article about the German investigative TV programme #wallraffen.

From a Few Schools to 258

FOCUS reports on undercover investigations at Waldorf schools in the German states of Saxony and Rhineland-Palatinate. The article does not tell us how many schools were investigated, how they were selected, or how long the observations lasted.

Yet it draws conclusions about an entire educational movement.

According to the article, whether pupils receive proper teaching in mathematics, German or foreign languages is “more a matter of luck than part of everyday school life.” It ultimately even raises the question of whether Waldorf schools should continue to be officially recognised as independent schools within Germany’s public education system.

That is quite a leap.

As of January 2026, Germany had 258 Waldorf schools with around 90,000 students.

An investigative report can demonstrate:

This is happening here.

It cannot automatically demonstrate:

This is what Waldorf education is like.

To establish that, researchers would need to select schools systematically, examine a sufficiently large sample, and compare their findings with similar state schools.

An undercover investigation does not do that. Nor is that its job.

Investigative journalism uncovers failures.

Educational research asks a different question: How typical are they?

We should not confuse the two.

“A School Without Maths?” Really?

Waldorf schools teach mathematics.

More importantly, their students take state-recognised school-leaving examinations — according to the requirements of the German states, not according to Steiner.

Where centralised examinations apply, Waldorf students sit the same exams as students at state schools. In almost all German states, the Abitur, the qualification required for university entrance, is externally supervised. Depending on the state, written papers are assessed by Waldorf teachers and teachers from state schools. The resulting qualifications have the same legal status.

So the headline “A School Without Maths?” is easily dealt with.

The more important question remains:

How good is the mathematics teaching?

Waldorf schools should be willing to discuss that — along with where learning gaps emerge, how often students need additional support, and whether teachers are sufficiently qualified in the subjects they teach.

This Is Where the Criticism Hits a Weak Spot

FOCUS cites a striking figure. According to the education ministry of Rhineland-Palatinate, about one third of Waldorf teachers in the state do not hold a university degree, but instead have a Waldorf-specific teaching qualification. The investigation also shows examples of teacher training that raise legitimate questions about academic and professional standards.

The Waldorf movement should not respond to this with outrage.

Career changers can enrich schools. A biologist, engineer, musician or craftsperson may bring experiences into the classroom that differ greatly from those of someone who went straight from school into teacher training.

But alternative routes into teaching must not become routes around qualification.

If you teach mathematics, you need to know mathematics.

If you teach children to write, you need to understand how language is learned.

If you lead a class, you need professional teaching skills.

Clear minimum standards are possible: subject knowledge, sound training in pedagogy and teaching methods, supervised classroom practice, mentoring, and continuing professional development.

A teacher’s career path should not be what matters.

Their competence should.

We Should Not Hide the 38 Percent

Another figure deserves attention.

In a major study of former Waldorf students by Heiner Barz and Dirk Randoll, 38 percent reported having received private tutoring during their school years.

Randoll himself said at the time that this was “not exactly something to be proud of” for a school system that places such emphasis on individual support. He called for better teacher training and improvements, particularly in foreign languages and the sciences.

We should not explain that figure away.

But we should put it in context. The study was published in 2007. It surveyed former students from different age groups and cannot tell us what is happening in Waldorf schools in 2026.

That is precisely why we need new research.

How many Waldorf students need private tutoring today?

In which subjects?

At what ages?

And how do the figures compare with students from similar social backgrounds attending state schools?

Those answers would tell us something useful.

Repeating a figure from 2007 without collecting new data does not.

Main Lesson Blocks Should Be Tested Too

Waldorf schools traditionally teach many academic subjects in intensive blocks lasting several weeks.

This can encourage concentration. Students can immerse themselves in a subject instead of moving on to a completely different one after 45 minutes.

But learning research has also established a robust finding: people retain knowledge better when they revisit and actively retrieve it over longer periods of time. Mixing different types of problems and concepts can also improve learning.

This does not mean block teaching does not work.

It suggests something more useful:

Block teaching needs systematic review and repetition.

After an intensive mathematics block, maths should not simply disappear for weeks. Schools could include short practice sessions between blocks, monitor students’ progress, and provide targeted support before small gaps become large ones.

Waldorf schools would not be abandoning their educational approach.

They would be combining its strengths with what we now know about learning.

Rudolf Steiner Does Not Have to Be Right

This may be the most important task.

Rudolf Steiner died in 1925.

Since then, psychology, medicine, neuroscience and educational research have learned an enormous amount.

Education in 2026 therefore cannot simply ask:

What did Steiner say?

It must ask:

What helps children?

That is not an attack on Steiner.

It is intellectual honesty.

Keep what works.

Improve what can be improved.

Abandon what harms children or gets in the way of learning.

Tradition is not proof of truth.

But age is not proof of error either.

We have to test our assumptions.

But Waldorf Should Not Forget What Else Education Is For

The debate must not swing too far in the opposite direction.

School is about more than scores in mathematics, languages and science.

Children must learn to read, write and calculate. There can be no compromise on that.

But they should also learn to observe, create, listen, speak, build, make music, experiment, work with others, fail, and try again.

Waldorf schools take this side of education unusually seriously.

Art, music, crafts, theatre and substantial independent projects form part of everyday school life. Students demonstrate not only academic knowledge but also what they can create and accomplish independently — through long-term projects, theatre productions and artistic work.

You do not have to like eurythmy to recognise the important idea behind this:

A child is more than the sum of their measurable achievements.

AI Makes This Idea More Relevant

Machines can now write essays, translate texts, write software and solve mathematical problems.

That does not make mathematics or language less important. Quite the opposite: anyone using AI must be able to judge whether its answers make sense.

But education must offer more than the reproduction of knowledge.

It must help young people ask good questions, check sources, recognise connections, form their own judgements and take responsibility for their decisions.

Here Waldorf schools could combine some of their traditional strengths with new forms of learning.

A class might work with a local business or community organisation on a real-world project.

Students could document their sources and their use of AI.

Their peers could challenge their results.

At the end, students would have to explain what the AI contributed — and what they themselves remain responsible for.

That would be neither a Steiner school nor an AI school.

It would simply be a school for 2026.

Don’t Believe. Measure.

The Waldorf movement could draw one simple conclusion from the RTL investigation:

Open the schools.

Not for a public-relations campaign.

For independent research.

A representative sample of Waldorf schools could be assessed regularly on:

academic progress in mathematics and languages,

the need for private tutoring,

student wellbeing and anxiety,

transfers and dropouts,

school-leaving qualifications,

teacher qualifications,

and the experiences of students and parents.

Such research should include classroom observation and interviews, not just standardised tests.

And the results should be published — including the uncomfortable ones.

Then we would no longer have to speculate about whether a disturbing scene in a television report is typical.

We would know.

And Who Acts When Something Goes Wrong?

Self-governance has long been part of the Waldorf tradition.

It has advantages. People take responsibility instead of simply passing decisions up a hierarchy.

But self-governance must not make responsibility invisible.

Every school needs clear answers:

Who monitors the quality of teaching?

Who responds to complaints?

Who decides when a teacher needs support?

Who acts when children may be at risk?

By when?

And who checks that something has actually been done?

These are not bureaucratic questions.

They are questions of responsibility.

A school can be governed collaboratively and still make clear who is accountable for what.

In fact, it should.

The Strongest Response to Wallraff

The Waldorf movement does not need to claim that everything is fine.

No one would believe it anyway.

With 258 schools, there will be excellent schools, average schools and poor schools. Anything else would be remarkable.

A better response would be:

Where the investigation reveals failures, we take them seriously.

Where it turns individual cases into a judgement on an entire educational movement, we challenge that conclusion.

And where we do not know how widespread a problem is, we find out.

That could lead to a concrete programme:

Strengthen teachers’ subject knowledge and professional training.

Monitor students’ progress regularly.

Combine intensive lesson blocks with spaced practice.

Handle complaints transparently.

Invite independent researchers into schools.

Publish the results.

And examine which traditions from a century ago still serve children today.

That would be more than crisis management.

It would be education.

Because every day, schools ask something of children that is both simple and difficult:

Recognise your mistakes.

Learn from them.

Do better next time.

Why should we expect anything less from the schools themselves?